Medien und Kommunikation  03.01.2020

Bilanz 2019

Feuerbrand und andere Krankheitserreger

2019 gestaltete sich der Pflanzenschutz in den Baumkulturen vor allem wegen den besonderen Wetterbedingungen schwierig. Ein kal-ter und feuchter Frühling sowie punktueller Starkregen im Sommer und Herbst förderten die Entstehung von Krankheiten und das Auf-treten von Schädlingen in den Kulturen. Der Feuerbrand hat 32 ha Obstkulturen befallen und führte zur Auszahlung von Entschädi-gungen in Höhe von 740’000 Franken. Lokal wurden grosse Schäden aufgrund von Bakte-riose, Schorf, Kirschessigfliegen und Schild-läusen registriert.

 

Seit der Entdeckung des ersten Feuerbrandherds Ende Juni führte das kantonale Amt für Obstbau mit der Unterstützung externer Pflanzenschutz-kontrolleure zahlreiche Kontrollgänge zwischen Sitten und Siders durch. Das Herausreissen von Bäumen wurde angeordnet. Zehn Hektaren Apfel- oder Birnenbäume mussten vollständig zerstört werden und 22 weitere teilweise. Zehn Produ-zenten waren betroffen und wurden in Höhe von insgesamt 740’000 Franken ent-schädigt. Zudem wurden mehrere Dutzend isolierte Bäume – Obst- oder Zierbäume – bei Privatpersonen gefällt, ohne dass diese ent-schädigt wurden. Die Gesamtkosten für das Herausreissen der Bäume beläuft sich auf 90’000 Franken. Für 2020 wurde der Bundes-status eines Feuerbrand-Schutzgebiets für das Wallis verlängert. Dies bedeutet, dass die Kon-trollen verstärkt werden, um eine sanierte Situation ohne Schäden wiederherzustellen. Die Produzenten erhalten Empfehlungen zu Anbau-praktiken, die präventiv umgesetzt werden müssen.

Frühlingshafte Bedingungen führten in gewissen Steinobstkulturen wegen Flecken auf dem Obst zum Verlust fast der ganzen Ernte. Diese werden von Bakterien wie Xanthomonas oder Pseudo-monas verursacht. Da Xanthomonas eine Qua-rantäne-krankheit ist, verlangt das Amt für Obst-bau vom betroffenen Produzenten, die befallenen Bäume zu eliminieren. Pseudomonas führt je nach Feuchtigkeit und Kälte im Frühling und je nach Anfälligkeit bestimmter Sorten zu Schäden.

Die starken Regenfälle im Sommer und Herbst führten zu einem verspäteten Befall mit Schorf, einem Pilz, der sich hauptsächlich auf Äpfeln ausbreitet und sich durch kleine schwarze Flecken bemerkbar macht. Die Bio-Obstbauern sowie all jene, die eine drastische Reduktion der synthetischen Wirkstoffe anpeilen, mussten gros-se Mengen Obst für die Industrie deklassieren. Versuche im Kompetenzzentrum für Obst- und Gemüsebau in Châteauneuf ermöglichten eine Dokumentierung dieser Ertragsverluste. Die Ak-zeptanz der Branche und der Konsumenten von resistenten Sorten, die im Übrigen in gewissen Kriterien (Präsentation, Festigkeit) nicht so wett-bewerbsfähig sind wie die gegenwärtigen Sorten, würde diese Problematik vorteilhaft lösen.

Die Kontrolle der Kirschessigfliegenpopula-tionen zeigt eine starke Zunahme der Individuen unter frischen und feuchten Sommerbedin-gungen. Ihr Befall der Aprikosenbäume ist derart stark und explosiv, dass die Produzenten oftmals die Obst-lese vollständig einstellen mussten. Obwohl damit zwar die Schäden nicht vermindert werden, so kann die Entwicklung der Popula-tionen stark eingedämmt werden, wenn die Parzellen von kaputten, überreifen oder befallenen Früchten gesäubert werden. Die Forschung wird ihre Arbeit im Bereich der biologischen Bekämpfung und Ver-wirrmethoden intensivieren.

2018 verursachte die Schmierlaus aus Asien bei gewissen Obstbauern grosse Ertragseinbussen, da sie einen Grossteil ihrer Äpfel, Birnen oder Aprikosen deklassieren mussten. In Abstimmung mit dem Bundesamt für Landwirtschaft und jenem für Umwelt sowie in Zusammenarbeit mit Agroscope verfolgte das Amt für Obstbau die Dynamik der Populationen, empfahl und verglich Schutzstrategien für die Kulturen. Es stellte sich heraus, dass die allgemeine Situation zwar viel besser war als im 2018, dass aber die biologische Bekämpfung mit der Einführung von zwei Hilfsstoffen nicht funktionierte und in biologischen Anbauparzellen zu enormen Verlusten führte. Das Bundesamt für Landwirtschaft ent-schied sich, ein gemeinschaftliches Forschungs-projekt von Agroscope und CABI über drei Jahre mitzufinanzieren.

Neben diesen Besonderheiten mussten die Obstbauern ihre Kulturen vor den geläufigen Krankheiten und Schädlingen schützen. Es ist eine unermüdliche Herausforderung, die Zufrie-denheit der Konsumenten, den Schutz der natürlichen Ressourcen und die Rentabilität des Betriebs unter einen Hut zu bringen.

Die neue eidgenössische Pflanzengesundheits-verordnung tritt 2020 in Kraft. Sie wird vom Kanton mehr Überwachung verlangen, um das erste Auftreten von Schädlingen in den angrenzenden Ländern aufzuspüren, noch bevor sie in der Schweiz sind, wie beispielsweise den asiatischen Moschusbockkäfer oder das Feuerbak-terium.