Medien und Kommunikation  19.11.2021

Eine Bilderfabrik in der Mediathek Wallis - Martinach unter der Lupe

L’Appel du Lötschental / Faszination Lötschental

In einer neuen Originalproduktion, welche die Mediathek Wallis-Martinach und das Lötschentaler Museum gemeinsam gestaltet haben, kann das Publikum vom 12. November 2021 bis 16. April 2022 die Faszination Lötschental entdecken. Die Ausstellung befasst sich mit den wissenschaftlichen Dimensionen, künstlerischen, ideologischen und touristischen Werten des Lötschentals, die in einer abwechslungsreichen Inszenierung hinterfragt werden: Welche Motive stehen hinter den immer wieder nahezu identischen Fotografien, Bildern und Zeichnungen? Welche Botschaften vermitteln diese Bilder und wie sind sie zu solchen Sinnbildern geworden? Die Ausstellung stellt ausserdem die Frage, was die Faszination, die vom Lötschental ausgeht, ausmacht und zeigt, dass hier seit drei Jahrhunderten eine wahre Bilderfabrik am Werk ist.

Klischees beobachten und hinterfragen

In der Ausstellung Faszination Lötschental kommen Personen zu Wort, die ein Gespür, eine Aussage, ein Interesse für die Besonderheiten dieses alpinen Tals entwickelt haben und dies dann exportiert und damit beim breiten Publikum eine Faszination ausgelöst haben. Sie rückt die Selbstwahr-nehmung dieser Liebhaberinnen und Liebhaber der Region ins Licht und bezeugt ausserdem einen Zeitgeist. Die visuelle Erzählung nimmt zwar eine vorrangige Stellung ein, doch die Ausstellung beschränkt sich nicht nur darauf, die im Verlaufe der Zeit aufgekommene Faszination für das obere Tal der Lonza zu illustrieren. Sie hinterfragt die Voraussetzungen dafür und schildert, wie daraus eine Modeerscheinung entstanden ist. Anhand der produzierten Bilder beobachtet die Ausstellung die Auswirkungen dieser Faszination auf die Landschaft, die einheimische Bevölkerung und die Folklore.

Eine Zusammenarbeit der Mediathek Wallis-Martinach und des Lötschentaler Museums (Kippel)

In einem Wechselspiel von Dokumenten aus den audiovisuellen Kulturgütersammlungen der Mediathek Wallis-Martinach und Objekten aus den Kunst- und ethnografischen Beständen des Lötschentaler Museums, Kippel, bietet die Ausstellung verschiedene Beobachtungsstandpunkte. Maéva Besse (Mediathek Wallis-Martinach), Rita Kalbermatten und Thomas Antonietti (Lötschentaler Museum) haben die Beziehungen zwischen Malerei, Fotografie, geschnitzten Masken und Trachtenumzügen einerseits und der Entstehung des Bilds des Lötschentals in Tourismus, Werbung und in der Publikumsvorstellung anderseits unter die Lupe genommen.

Die Mediathek hat einen dokumentarischen Corpus zusammengestellt, das Lötschentaler Museum eine bedeutungsvolle Auswahl von Objekten und Dokumenten, allesamt Träger dieser Faszination, welche dieses Gebiet prägt und gestaltet.

Ethnologie, Künste, Ideologie und Tourismus

Ab dem 19. Jahrhundert interessierten sich Ethnologen der akademischen Kreise für die weltlichen, religiösen und folkloristischen Traditionen des Lötschentals. Sie waren von den Trachten, Kostümen, Feiern, von der Beziehung zu den Verstorbenen und der Arbeit bezaubert und fasziniert – kurze Zeit später zelebrierten Künstler, Maler und Fotografen die Menschen, Berggipfel und ländlichen Gemeinschaften. Dann waren es Nostalgiker, die sich nach einem Paradies in den Bergen sehnten, das mit dem Eintritt ins Industriezeitalter endgültig verloren war, welche diese Projektionen und Fantasievorstellungen kultivierten. Es handelte sich in der Tat um einen doppelten Trend, welcher von der einheimischen Bevölkerung genauso gepflegt wurde, im Bewusstsein um die Aufmerksamkeit von aussen, die der Region dadurch zukam. Schliesslich machten sich Tourismus, Mode und Marketing das Lötschental zu eigen, denn mit den einmaligen Masken und Kostümen der Tschäggätta lassen sich Träume, Exotisches und Abenteuer verkaufen.

Gekreuzte Sichtweisen, geteilte Faszination

Die Ausstellung Faszination Lötschental untersucht die Verflechtungen verschiedener Wahrnehmungen, ihren Ursprung und wie sie verstärkt werden oder im Gegenteil vergessen gehen. Nicht gelüftet wird hingegen das Geheimnis der Anzugskraft, dieser Faszination, die nach wie vor besteht und weiterhin unsere inneren oder vergegenständlichten Bilder dieses «Wallis im Wallis» begründet. Zur Illustration dieser Aussage zeigt die Ausstellung insbesondere Fotografien, Bilder und Skizzen von Albert Nyffeler, Oswald Ruppen, Raphaël Ritz und Philippe Schmid. Die begleitenden Texte stammen von Leopold Rütimeyer, Arnold Niederer, Suzanne Chappaz, Maurice Chappaz, S. Corinna Bille und Konrad Kuhn. Das Vermittlungsprogramm umfasst verschiedene Führungen, Workshops und Vorträge; alle weiteren Informationen dazu finden sich auf der Internetseite zur Ausstellung. Die Ausstellung kann auf Deutsch oder Französisch besichtigt werden und ein bilinguales Ausstellungsprospekt wird ebenfalls herausgegeben.

Weitere Informationen: Agenda: Mediathek Wallis