Medien und Kommunikation  16.10.2020

Forschungsprojekt zum Mobbing unter Gleichaltrigen im schulischen Umfeld

Obligatorische Schule

Das Departement für Volkswirtschaft und Bildung (DVB) hat die Pädagogische Hochschule Wallis (PH-VS) mit einem Forschungsprojekt beauftragt, um eine koordinierte Politik zur Prävention und Bekämpfung von Mobbing unter Gleichaltrigen im schulischen Umfeld einzuführen. Als Fortsetzung einer 2012 durchgeführten Untersuchung hat die PH-VS die Entwicklung des Phänomens statistisch erfasst und das Verständnis dazu auf allen Stufen der obligatorischen Schule weiter vertieft. Die Ergebnisse zeigen, dass für die Schülerinnen und Schüler das Risiko für Mobbing tendenziell gesunken ist. Neben der Durchlässigkeit der Rollen (Opfer, Täterin oder Täter, Zeugin oder Zeuge) konnten auch die Orte und Zeiten aufgezeigt werden, die Mobbing begünstigen.

Im Frühling 2019 füllten insgesamt 4652 Schülerinnen und Schüler (7-8H und 9-10OS) im Wallis einen elektronischen Fragebogen aus. Die vergleichenden Analysen zwischen den Untersuchungen von 2012 und 2019 deuten darauf hin, dass die Schülerinnen und Schüler im Wallis heute im Allgemeinen weniger Mobbing ausgesetzt sind und dass das Schulklima nach wie vor sehr gut ist (95,7 % fühlen sich wohl im Unterricht). Am häufigsten tritt Gewalt an Schulen in Form von verbaler Gewalt auf (Primarstufe 8,3%, OS 12,1 %). Dies ist auch die Form von Mobbing, die nicht rückläufig ist. Im Vergleich zu 2012 lässt sich das Auftreten von Mobbing nicht mehr an der sprachlichen oder geographischen Region festmachen, sondern eher an der Schulstufe,dem Geschlecht oder der Grösse der Einrichtung.

Das Forschungsteam der PH-VS führte Interviews mit verschiedenen Personengruppen der Schule durch, darunter 477 Schülerinnen und Schüler im Alter von 5 bis 17 Jahren sowie 40 Fachpersonen aus dem Lehrkörper, der Schulmediation und der Schulpsychologie. Diese qualitative Studie hat mehrere neue Erkenntnisse gebracht: Mobbing ist ein Phänomen, das sich im Lauf des Schullebens wandelt. Die Rollen der Schülerinnen und Schüler sind häufig durchlässig (Opfer – Täterin oder Täter – Zeugin oder Zeuge). Aus Sicht des Lehrpersonals ist es schwierig einzugreifen, es zeigen sich Erschöpfungserscheinungen und fehlende Koordination. Weiter ist aus den Beobachtungen zu schliessen, dass gewisse Arbeitsformen, Orte und Zeiten das Auftreten von Mobbing begünstigen, insbesondere bei nicht durchgehender Überwachung durch Erwachsene.

Die Ergebnisse des Forschungsprojekts geben eine klare Richtung vor für eine Arbeitsgruppe, die demnächst eingesetzt wird. Diese soll das DVB bei der Festlegung einer kantonalen Politik zur Prävention und Bekämpfung von Mobbing unterstützen. In diesem Zusammenhang werden verschiedene Instrumente (Interventionsprotokoll, Erkennungswerkzeuge) und Weiterbildungen ausgearbeitet.

Weitere Informationen auf: https://animation.hepvs.ch/harcelementscolaire