Medien und Kommunikation  11.09.2020

Ich bin 50, na und!?

Menschen über 50 Jahre haben es bei der beruflichen Wiedereingliederung besonders schwer. Dabei stellen diese Personen oftmals einen echten Mehrwert für die Unternehmen dar, die sie anstellen. Um dieser Bevölkerungsgruppe im Hinblick auf eine rasche berufliche Wiedereingliederung eine geeignete Unterstützung zukommen zu lassen, ist in Zusammenarbeit mit der Dienststelle für Sozialwesen das Projekt «50+actif» gestartet worden. Das Büro von «50+actif» in Martinach ist für die Unterstützung von Personen aus dem französischsprachigen Kantonsteil bereit.

 

Auf Vorschlag der Vereinigung « Passerelles » hat die Dienststelle für Sozialwesen beschlossen, das Projekt «50+actif» zu finanzieren. Mit der Projektumsetzung ist die Vereinigung «Le Transit» betraut worden. «Le Transit» ist auf Job-Coaching spezialisiert und bereits im Bereich der beruflichen Eingliederung tätig. Das Präventionsprogramm ist für Personen in den Fünfzigern bestimmt, die sich auf Stellensuche befinden und weder in der Arbeitslosenversicherung, der IV noch in der Sozialhilfe angemeldet sind, was ein erhöhtes Armutsrisiko darstellt. Ziel ist eine möglichst schnelle berufliche Wiedereingliederung.

 

 

Zielpublikum

 

Alle Personen, die 50 Jahre alt oder älter sind und Interesse an einer Unterstützung haben, können gratis an diesem Programm teilnehmen. Die Teilnehmenden engagieren sich freiwillig. Der wichtigste Erfolgsfaktor ist die eigene Motivation. Weitere Teilnahmekriterien sind: ausreichende Französischkenntnisse, sofortige Arbeitsfähigkeit (keine schwerwiegenden gesundheitlichen Probleme) und keine Abhängigkeit von einer Sozialleistung.

 

 

Leistungen

 

Die Begleitung und Unterstützung der Teilnehmenden wird von Eingliederungsfachleuten gewährleistet. In einigen Fällen reicht eine punktuelle und rasche Intervention aus (Beratung, Hilfe für das Verfassen eines Lebenslaufes oder Bewerbungsschreibens, Vorbereitung auf ein Vorstellungsgespräch, etc.). Manchmal ist eine intensivere Begleitung notwendig. Die vorgesehenen Schritte zielen daher auf die Erstellung einer beruflichen und persönlichen Bilanz, die Prüfung der beruflichen Ziele und auf die Begleitung des Bewerbers während der Stellensuche ab.

 

Wenn eine Kompetenzauffrischung oder eine Qualifikationssteigerung dem Profil des Teilnehmenden einen reellen Mehrwert bringt, dann kann im Rahmen des Projektes eine gezielte kurze Ausbildung finanziert werden.

 

 

Ein Mentoring-System

 

Ein neues Element des Projekts liegt in der Schaffung eines Mentorings. Jeder Projektteilnehmer wird auf seinem Weg von einem Mentor oder einer Mentorin begleitet. Dabei handelt es sich um Persönlichkeiten aus der Arbeitswelt (Chef oder junge Rentnerin), die freiwillig durch ihr Zuhören, ihre Verfügbarkeit, ihre Ratschläge oder ihr berufliches Netzwerk die berufliche Wiedereingliederung der Teilnehmenden fördern.

 

 

Einige Vorteile für den Arbeitgeber

 

Für Personen in prekären Situationen bietet die Sozialhilfe bereits Massnahmen für die berufliche Eingliederung an, wie zum Beispiel die Finanzierung der Arbeitgeberlasten (FAL). Dadurch wird der Arbeitgeberanteil an den Sozialabgaben für über 50-jährige Arbeitnehmende während zweier Jahren von der Sozialhilfe getragen (ohne dass der Begünstigte von der Sozialhilfe unterstützt wird). Solche für ein Unternehmen finanziell interessanten Massnahmen können trotz der Teilnahme am Projekt «50+actif» weiterhin umgesetzt werden.

 

Eine Partnerschaft mit Arbeitsvermittlungsa-genturen ist überdies möglich. Ein Temporärarbeitsvertrag ermöglicht eine Übergangsphase, die dem Arbeitgeber vor einer endgültigen Anstellung eine gewisse Sicherheit gibt.

 

Bei einer Anstellung sieht das Projekt gegebenenfalls vor, dass «Le Transit» die Person innerhalb des Unternehmens unterstützt, um eine gute Integration sicherzustellen.