Medien und Kommunikation  17.06.2022

Neue Weiterbildung zur Fallerkennung

Häusliche Gewalt

Viele Personen, die mit einer Sozialeinrichtung in Kontakt stehen, sprechen dort nicht über Gewalt, die sie in ihrer Beziehung oder zu Hause erleben. Dabei hat Gewalt häufig einen engen Zusammenhang mit ihren Problemen. Für die Fachleute kann es dementsprechend schwierig sein, häusliche Gewalt zu erkennen. Mit dem neuen Weiterbildungsmodul DOSAVI werden den Fachleuten nun die Mittel in die Hand gegeben, um Situationen häuslicher Gewalt zu erkennen und die potenziell betroffenen Personen gezielt und angemessen danach zu fragen, um sie an ein spezialisiertes Netzwerk weiterweisen zu können.

Gewalt in der Beziehung oder innerfamiliäre Gewalt hat Auswirkungen auf die Gesundheit und das soziale Leben aller Betroffenen. Viele der gewaltbetroffenen Personen sprechen dieses Thema jedoch nicht an, wenn sie sich für Hilfe wegen anderen Problemen an Institutionen wenden. Um die Situation der betroffenen Personen – ob sie nun Gewalt erleben oder ausüben – auf die Dauer zu verbessern, ist es von grundlegender Bedeutung, dass die Fachleute der Sozialeinrichtungen das Vorliegen häuslicher Gewalt erkennen. Damit können sie die Betroffenen auf geeignete Weise an eine gezielte Stelle wie eine Opferberatungsstelle oder eine Struktur für die Betreuung gewaltausübender Personen weiterweisen.

Das neue Weiterbildungsmodul DOSAVI wird vom Kantonalen Amt für Gleichstellung und Familie (KAGF) in Zusammenarbeit mit der Hochschule für Soziale Arbeit der HES-SO Valais-Wallis angeboten. Es konnte dank dem Engagement von Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern sowie Personen, die auf die Intervention bei Gewalt in der Beziehung und innerfamiliärer Gewalt spezialisiert sind, aufgebaut werden. Die Weiterbildung richtet sich an alle Personen, die im Sozial- und Gesundheitswesen tätig sind und die mit Personen Kontakt haben könnten, die potenziell von häuslicher Gewalt betroffen sind. Sie erstreckt sich über zwei Tage mit folgenden Lernzielen:

1. Ausbau der Praktiken zur Erkennung und begleiteten Weiterweisung von gewaltbetroffenen Personen;

2. Aneignen der beruflichen Fähigkeiten zum Erkennen der Anzeichen von Gewalt im Alltag der betreuten Personen, um die Betroffenen zu potenzieller Gewalt zu befragen und um die Hypothese eines eventuellen Vorliegens von Gewalt aufzustellen;

3. Entwicklung fachlicher Kompetenzen, mit denen die Betroffenen zum Aufsuchen gezielter Hilfe motiviert werden können und mithilfe derer der Erstkontakt mit einer Fachstelle erleichtert werden kann;

4. Anregung der Fachpersonen, das spezialisierte Interventionsnetzwerk gegen häusliche Gewalt anzugehen.

 

Dieses Jahr werden in der HES-SO Valais-Wallis in Siders drei Kurse durchgeführt: am 20. und 21. Oktober auf Deutsch sowie am 25. und 26. August und am 3. und 4. November auf Französisch.

Weitere Informationen und Anmeldung unter:
www.gleichstellung-familie.ch/dosavide